Erinnerungen an Prof. Ludwig Erhard

Portrait von Prof. Ludwig Erhard mit den kaltenbrunner Wiesen und dem Tegernsee im Hintergrund
Prof. Ludwig Erhard
Foto: Archiv Beni Eisenburg

Der 1897 in Fürth geborene Ludwig Erhard war von 1949 bis 1963 Bundeswirtschaftsminister im Bundeskabinett von Konrad Adenauer, er gilt als Vater des deutschen Wirtschaftswunders. 1963 wurde er Nachfolger von Konrad Adenauer als Bundeskanzler.

Im Januar 2016 fand der erste Ludwig-Erhard-Gipfel im Seeforum Rottach-Egern statt. Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Medien debattieren über aktuelle Themen unserer Zeit.

Hier möchte ich nur an einige Begebenheiten aus unserer Region erinnern. Ludwig Erhard musste viel Reisen, Fliegen liebte er nicht, er benutzte lieber die Eisenbahn. In die Weihnachtsferien reiste er meistens schon am 22. Dezember mit dem Salonwagen von Bonn bis Schaftlach. Spätabends fuhr er in Bonn los und kam am frühen Morgen in Schaftlach an. Dort war für den Sonderzug End-Station. Der Salonwagen und die Begleitwaggons wurden auf einem Nebengleis abgestellt, Ludwig Erhard schlief meist noch. Von Schaftlach fuhr sein Chauffeur mit dem Dienstwagen nach Gmund auf den Ackerberg, hier fühlte er sich wohl, hier konnte er sich erholen. Gern kaufte er beim Metzger ein, fränkische Wurstspezialitäten liebte er besonders.

In einem Telegramm an den Bürgermeister der Gemeinde Gmund, Hermann Bogner, schreibt er „Sie wissen wie sehr ich mich gerade mit Gmund, der Bevölkerung dieses Ortes und den Menschen dieser Gegend fast heimatlich verbunden fühle” - Er bedauerte, dass er den Feierlichkeiten zur 900 Jahrfeier nicht beiwohnen konnte und bittet den Bürgermeister seine besten Wünsche den Teilnehmern der Veranstaltung zu übermitteln.

Auf dem Ackerberg schrieb er auch 1961 seine Silvesteransprache an das Deutsche Volk. Am 27. Dezember 1961 bittet Ludwig Erhard eine Finsterwalder Nachbarin, sein Diktat aufzunehmen und mit der Schreibmaschine abzuschreiben. Nach der Niederschrift gibt Roberta Bucar das fertige Manuskript ihrem Sohn Günter, der trägt dies wieder auf den Ackerberg. Er bekommt fünf Mark Botenlohn, damals ein nobles Geschenk, und er wird vom Chauffeur mit der Ministerlimousine nach Hause gebracht, welch ein Erlebnis! Frau Bucar verwahrte eine Kopie, ihre Tochter Linde, verheiratete Keck hat alles aufbewahrt und zur Verfügung gestellt. Eine besondere Erinnerung an Ludwig Erhard.

Beni Eisenburg

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