Die Ölbergandacht

„Auf dem Ölberg ist die Stätten, wo dein Leid du angetreten“ so beginnt ein Lied von Annette Thoma.

Diese Ölbergandachten, die nicht erst am Gründonnerstag, sondern schon während der Fastenzeit gehalten werden, erinnern uns an eine uralte Form der Volksgläubigkeit und sie haben eine lange Geschichte.

Foto: Archiv Beni Eisenburg

In der Freisinger Dombibliothek gibt es eine Handschrift, die um 1800 von einem unbekannten Verfasser geschrieben wurde und die volkskundliches Material, Sprüche, Bauernregeln und Bräuche enthält. Der Autor kennt die Bräuche gut, er schreibt mit kritischer Feder, der Geist der Aufklärung wird erkennbar. Uber den Ölberg schreibt er: „An Donnerstagen in der Fastenzeit wird das geistliche Spiel in Märkten und Städten gegeben, wozu vom Land viel Volk zusammenkommt.“

In der Münchner St. Peterskirche predigten die Kapuziner bald nach 1600 in der Fastenzeit von Tod, Teufel und Erlösung. Der Zulauf der Menschen war so stark, dass es den Pfarrer der ältesten Münchner Pfarrei verdross und er eine Anklageschrift nach Rom schickte über die unliebsame Konkurrenz! Er beklagte sich, dass die Kapuziner unter dem Chorbogen der Peterskirche ein Theater aufschlügen, „auf dem sie den dreimaligen Fall Christi und sein Gebet auf dem Ölberg mittels geschnitzter Figuren bildlich darstellten, Sinn und Augen würden dadurch von dem ausgestellten Allerheiligsten abgelenkt, die jungen Leute trieben während der Predigt allerlei Unfug“. Die Kapuziner wurden jedoch in Rom rehabilitiert!

Der Magistratsrat und Zuckerbäcker Johann Schauermayer stiftete 1000 Gulden, um die feierliche Ausgestaltung der „Angst-Christi“-Andacht, wie sie im Volksmund hieß, ein für alle Mal zu sichern.

In der Pfarrei Egern ist bereits 1639 ein Ölberg und ein „Heiliges Grab“ erwähnt und in der Tegernseer Klosterkirche hat 1717 Abt Petrus Guetrather einen von Hans Degler für 800flr. gemalten Ölberg aufstellen lassen. Diese Ölbergandachten wurden in der Fastenzeit vom Volk sehr stark besucht. Die von P. Cölestin Prälisauer dazu geschriebene Musik ist leider verschollen. In einem umfangreichen Mesner-Dienstbuch von 1795 aus Tölz, abgeschrieben von Claus Janßen, steht „Am Donnerstag nach Invocabit ist der erste Oelberg ... Bey dem Fahl Christi werden jedesmal die Glocken geläutet, darauf folgt Musick auf dem Chor und Christi am Oelberg, allwo der Organist ein Instrument zu setzen gepflegt hat…“.

In Gmund am Tegernsee wurde die Ölbergandacht im Jahre 1744 eingeführt. Bald nach der Säkularisation, im Jahre 1808, hat das Kgl. Landgericht an die Pfarrei Gmund geschrieben, wegen der Ölbergandacht, die nicht mehr statthaft sei „Man hat sich persönlich mißfälligst überzeugt, daß die Pfarrei Gmund den Kgl. Allerhöchsten Verordnungen sehr auffallend entgegen gehandelt ... man verhoffe die augenblickliche Entfernung dieser Ölberg-Vorstellung.“ Unterschrieben von Max Graf von Preysing. Die Gmunder überstanden die Aufklärung, schon 1820 wurde ein neuer Ölberg angeschafft.

In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München-Freising von Georg Westermayer aus dem Jahre 1884 sind in der Pfarrei Gmund, Tegernsee und Rottach-Egern Ölbergandachten vermerkt. Es gibt noch viele Pfarreien mit Ölbergdarstellungen, z. B. Waakirchen, Bad Tölz, Lenggries, Berchtesgaden u. a. Neu belebt wurde die Darstellung in Stephanskirchen, Reischach, Dießen u. a. Bewegliche Ölbergfiguren gibt es in Bayern nur noch gut ein halbes Dutzend. In Gmund ist die Darstellung mit den beweglichen Ölbergfiguren nie abgerissen. Der Gmunder Pfarrer Otto Heichele, ein großer Heimatkundler, – er hat unter anderem die Geschwister Schiefer von Laufen zum Liedersammeln angeregt – sagte 1928 über den Gmunder Ölberg: „Glücklich die Pfarrgemeinde, wo so ehrwürdige Zeugen der Herzensschlichtheit und Innigkeit unserer Ahnen noch gehütet und gepflegt werden. Halten wir ihnen die Treue.“

In Gmund wird diese Andachtsform bis heute gepflegt, wenn sich auch der „Zulauf“ sehr in Grenzen hält.

Beni Eisenburg

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